Selbsthilfegruppe für Menschen
mit Psoriasis und deren Angehörige

Psychologische Aspekte

Ständige psychische Belastungen gehören zum Alltag von Menschen mit Schuppenflechte. Viele leiden unter dem Gefühl, als ungepflegt zu gelten – wegen der vielen Schuppen auf der Kleidung.
Als Reaktion vermeiden viele Betroffene soziale Aktivitäten. Die Folge ist häufig Isolierung und Vereinsamung.

Besonders bei jungen Betroffenen spielt diese psychische Belastung eine große Rolle. Schuppende oder ständig wunde Haut wird von vielen als unschön empfunden und wirkt abschreckend. Für viele Psoriatiker ist es daher schwierig einen Partner zu finden. Auch in der Schule oder später bei der Wahl eines Berufes sind Betroffene eingeschränkt. Arbeit, bei der die Haut mit reizenden Stoffen in Berührung kommt, sollte gemieden werden. Jobs, in denen man Kundenkontakt hat, sind für viele meist nicht vorstellbar, weil sie sich für ihr Äußeres schämen und Angst vor bloßstellenden Situationen haben. Sie ziehen sich immer mehr zurück und brechen dann oft soziale Kontakte völlig ab.

Ob jung oder alt, die Psyche hat einen bedeutenden Anteil an der Last der Erkrankung. Für Menschen mit Psoriasis ist daher zusätzlich zur medikamentösen Therapie eine psychologische Behandlung dringend erforderlich. 

Chronisch krank – Was nun?

Krankheitsbewältigung bedeutet das Leben zu meistern

 

„Sie haben nun einmal eine chronische Erkrankung. Ich rate Ihnen sich damit abzufinden!“ Solche oder ähnliche Aussagen von wohlmeinenden Zeitgenossen sind zwar gut gemeint, aber wie soll das überhaupt gehen, das mit dem Abfinden? Gleich vorweg: Es gibt keine Patentrezepte aber doch einige interessante Überlegungen aus der Psychologie und der Kommunikationswissenschaft, die es leichter machen, mit einer chronischen Erkrankung umzugehen.

Die Auseinandersetzung mit einer chronischen Erkrankung läuft in Phasen ab. Sie führt über Schock und Verleugnung, aggressive und depressive Phasen und Verhandlungs-phasen irgendwann zur Akzeptanz der Erkrankung. Diese Phasen werden von Betroffenen höchst unterschiedlich wahrgenommen und in Dauer und Intensität sehr individuell durchlebt.

 

Der Schock der Diagnose

Was bedeutet es eigentlich, dass einem eine Krankheit nun sein weiteres Leben begleiten wird? Zunächst ist die Diagnose für viele ein herber Schlag, der Orientierungslosigkeit und Angst verbreitet. Lebenspläne und Zukunftsaussichten werden über den Haufen geworfen. Für Viele verliert die finanzielle Situation an Zukunftsperspektive und die familiäre Situation verändert sich.

Es gibt aber auch Menschen, für die die Diagnose im Grunde die Bestätigung eines Verdachts darstellt, der bis zu einem gewissen Grad sogar eine Erleichterung bringt. Nun wissen sie endlich, womit sie es zu tun haben. Für diese PatientenInnen ist die Diagnose bereits ein erster Schritt zur Besserung.

Menschen mit der Diagnose „chronische Erkrankung“ sind gezwungen, sichere und gewohnte Lebensgewohnheiten und Einstellungen zu verlassen. Sie erleben das oft als einen Sturz aus der Lebenswirklichkeit. Das verunsichert und Gefühle wie Wut, Trauer und Frustration begleiten den Alltag.

Gerade in der ersten Phase des Krankheitserlebens unternehmen Betroffene sehr viel um diesen empfundenen Makel „Krankheit“ irgendwie zu überwinden oder zumindest in den Griff zu bekommen. Die erste und wichtigste Regel ist hier, sich nicht in seinem Schmerz und seiner Trauer zu vergraben oder die Erkrankung zu ignorieren. Reden Sie mit Ihren nächsten Angehörigen und Freunden über Ihre Gefühle und teilen Sie Ihr Leid. Das Wissen mit Ihrem Schicksal nicht allein zu sein, erleichtert. Suchen Sie das ausführliche Gespräch mit Ihrem Arzt und suchen Sie Spezialisten für Ihre Krankheit auf. Sammeln Sie Informationen und lassen Sie sich von medizinischen ExpertenInnen Ihre Möglichkeiten und Perspektiven erklären. Informationen über wirksame Medikamente und Therapien nehmen den Druck in dieser Phase und geben den Blick auf eine leb- und annehmbare Zukunft frei.

 

 

 

Von Aggression zur Depression

Nach dem ersten Schock und Verdrängungsversuchen bleibt Betroffen nichts anderes übrig, als die Tatsache der chronischen Erkrankung zur Kenntnis zu nehmen. Sich in dieser Realität wiederzufinden, löst eine Reihe von heftigen negativen Emotionen aus. Erklärungsmodelle werden gesucht und oft vermeintlich schuldige Umstände und/oder  Personen identifiziert und verantwortlich gemacht.

Eine chronische Erkrankung ist aber nicht das Werk einer höheren Macht, die gerade Sie auserwählt hat, um Sie zu strafen. Mit Gott und der Welt zu hadern ist zwar legitim, bringt aber letztendlich kaum Erleichterung. Es nützt auch nichts, seinen Ärger und Wut auf Andere zu projizieren und gereizt und ungerecht mit seiner Umgebung umzugehen. In Wirklichkeit wird dadurch nur eine Distanz zwischen Ihnen und jenen Personen geschaffen, die Ihnen vielleicht helfen wollen und können.

Wenn Sie es schaffen, diese Wut und die Enttäuschung in eine „Jetzt erst recht!–Haltung“ umzuwandeln, gelingt es Ihnen leichter, aktiv auf Ihre neuen Bedürfnisse einzugehen.

Auch wenn Sie vielleicht eine zunehmende Funktionsbeeinträchtigung Ihres Körpers und die körperliche und geistige Verletzlichkeit erleben, ist die Frage: „Was bin ich mit so einer Krankheit überhaupt noch wert?“ einfach zu beantworten. „Mehr als Sie in diesem Moment glauben!“. Fragen Sie genau dies Ihren Mann, Ihre Frau oder Ihr Kind und schauen Sie auf wirklich alle Ihre Lebensbereiche. Gerade in dieser Phase ist Rat und Hilfe durch die nächsten Angehörigen sehr wichtig. Professionelle Hilfe von Coaches und Therapeuten bringen gerade bei länger andauernden depressiven Phasen neue Aspekte, die dem Leben wieder sinnvolle Perspektiven geben.

 

Mit dem Schicksal verhandeln

In dieser Phase versuchen Betroffene oft durch das Erbringen von Opfern einen Handel mit dem Schicksal einzugehen. Die Bandbreite reicht von Wallfahrten über Spenden bis hin zu nicht bewiesenen Heilmethoden. Wenn Sie sich dadurch besser fühlen und das Gefühl haben, psychisch besser mit der Erkrankung zurecht zu kommen, ist das vermutlich eine gute Sache und zeigt, dass Sie sich mit der Erkrankung aktiv auseinander setzen. Vergessen Sie dabei aber nicht, dass Ihr behandelnder Arzt/Ärztin trotzdem jene Person ist, die am besten ermessen kann, welche individuellen Behandlungsmethoden zur Verbesserung Ihres Krankheitsstatus zielführend sind.

 

Chronische Krankheit und Angehörige

Eine chronische Erkrankung ist immer auch eine Erkrankung, die das System Familie (Beziehung) nachhaltig beeinflusst. Machen Sie sich klar, dass Ihr inneres Erleben von körperlichen Schmerzen bis psychischen Leiden nicht eins zu eins von außen ablesbar ist.  Auch für die soziale Umgebung  ist das eine neue Lebenssituation. Reden Sie also miteinander. Gleichen Sie ab, wie es Ihnen gerade geht und was die anderen meinen, wie Sie sich fühlen. Besonders in Bezug auf Krankheit ist unnötiges schlechtes Gewissen, unbewusste Ignoranz oder anstrengende Überfürsorglichkeit in der Familie weit verbreitet.

Akzeptanz und Lebensmut

Eine chronische Erkrankung ist schlicht eine andere Art von Lebensherausforderung, die Sie von anderen Menschen mit anderen Lebensherausforderungen unterscheidet. Ab dem Moment, wo Sie sich wertfrei eingestehen können, dass Ihre Erkrankung nun Teil Ihres Lebens sein wird, haben Sie schon gewonnen. Das Annehmen der Erkrankung macht es erst möglich, sein Leben danach auszurichten. Machen Sie sich klar, dass Ihr Leben auch in Zukunft nicht nur und ausschließlich aus der Krankheit bestehen wird, sondern dass es auch viele Zeiten gibt, wo sie trotz Krankheit Spaß, Freude und spannendes Neues erleben werden. Suchen Sie nach Möglichkeiten, den Umgang mit Ihrer Krankheit zu optimieren. Tauschen Sie sich mit anderen Betroffenen aus und freuen Sie sich über Anregungen, die Sie vielleicht von anderen Erkrankten erhalten.

 

Autor:
August C. Neubacher MA MSc
Coach/Trainer – Gesundheitskommunikation
Email: august.neubacher@publichealth.at

Freue mich auf unsere nächsten Treffen Eure Riki Schönauer

 

 

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Termine und Events

ACHTUNG 

Mittwoch 21.März 2018 entfällt 

Nächstes Treffen am 

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1210 Wien

U1 bis Kagranerplatz und Bus 31

oder

U6 bis Floridsdorf und Bus 29

Jeweils Haltestelle Eipeldauerstraße/Leopodauerplatz