Selbsthilfegruppe für Menschen
mit Psoriasis und deren Angehörige

 

 

 


 

 

 

Moderne Psoriasis-Therapien

Neben äußerlich anzuwendenden Therapieformen stehen heute für die Behandlung von Psoriasis mehrere systemisch wirksame Medikamente zur Verfügung. Zusätzlich zu bereits länger in Verwendung stehenden Arzneien wie z.B. Methotrexat wurden seit dem Jahr 2000 neue, moderne Therapieformen eingeführt. Gemeinsam ist diesen modernen System-Therapien ihre gezielte Wirksamkeit auf die der Psoriasis zugrunde liegenden entzündlichen Veränderungen. Dank ihres spezifischen Wirkmechanismus erreichen sie hohe Wirkung bei vergleichsweise geringen Nebenwirkungen und eignen sich auch für die Langzeitbehandlung. Voraussetzung für die Zulassung der Medikamente sind mehrere klinische Studien, in denen sie ihre Wirksamkeit und Verträglichkeit gezeigt haben. Meist werden die Substanzen in diesen Studien im Vergleich zu einem Scheinmedikament (Plazebo) eingesetzt, manchmal auch im Vergleich mit bereits länger in Verwendung stehenden Medikamenten.

Fachärzte unterscheiden bei den modernen Therapien im wesentlichen zwei Gruppen: „Small Molecules“ (z.B. Apremilast), die oral eingenommen werden, und „Biologika“ (dazu gehören Adalimumab, Etanercept, Infliximab, Ustekinumab, Ixekizumab und Secukinumab), die als subkutane Injektion (wie Insulin) oder Infusion verbreicht werden.  Das Ziel eines völlig erscheinungsfreien Hautbildes rückt damit immer mehr in erreichbare Nähe, ebenso profitieren viele Patienten von einer Reduktion der bei Psoriasis häufig auftretenden Begleiterkrankungen wie Psorisas-Arthritis, entzündliche Darmerkrankungen oder Bluthochdruck.

Wirkprinzip TNF-alpha-Blockade: Adalimumab, Etanercept, Infliximab
Als erste Gruppe der modernen, systemisch wirksamen Therapien wurden Anfang des Jahrtausends Substanzen zugelassen, die gegen den Tumornekrose-Faktor alpha (TNF alpha) wirken, der eine Schlüsselrolle in der Entstehung der Psoriasis spielt. Die TNF-alpha-Blocker Adalimumab, Entanercept und Infliximab sind für die Behandlung der Psoriasis und der Psoriasis-Arthritis indiziert. Gemeinsam ist diesen drei Wirkstoffen ein hervorragendes Ansprechen. Angewendet werden sie als vom Patienten selbst zu verabreichende subkutane Injektion (Fertigspritze) bzw. als Infusion in mehrwöchigen Abständen. Das Sicherheitsprofil und die Langzeitwirksamkeit dieser Substanzen sind ausgezeichnet und durch zahlreiche Studien und Register dokumentiert.

Wirkprinzip Hemmung von Interleukin 12 und Interleukin 23: Ustekinumab
Die detaillierte Erforschung der an der Entstehung von Psoriasis beteiligten Entzündungsprozesse führte zur Entwicklung von Substanzen mit immer spezifischeren Wirkmechanismen. Einen wesentlichen Anteil daran haben Interleukine: sie beschleunigen bzw. ermöglichen die für die Psoriasis charakteristischen Entzündungsprozesse, in dem sie Lymphozyten aktivieren. Ustekinumab wirkt ganz gezielt gegen Interleukin 12 und 23 und unterbindet auf diese Weise die Entzündungsreaktion. Im Hinblick auf Sicherheitsprofil und Langzeitwirksamkeit lässt sich Ustekinumab mit den TNF-alpha-Blockern vergleichen.

Wirkprinzip Hemmung von Interleukin 17: Secukinumab, Ixekizumab, Brodalumab
Ein neuerer Therapieansatz ist die Wirkung gegen Interleukin 17, ein stark entzündungsauslösendes Molekül. Interessanterweise haben Psoriasis-Patienten mit höherer Symptom-Ausprägung höhere Serumspiegel von Interleukin 17A als jene mit weniger Symptomen. Ebenso zeigte sich, dass zwischen der klinischen Wirkung einer Phototherapie und der Abnahme von Interleukin 17A im Serum ein Zusammenhang besteht. Gegen Interleukin 17 gerichtete Substanzen wie Secukinumab oder das erst kürzlich zugelassene Ixekizumab erweisen sich daher als sehr wirksam in der Reduktion der Psoriasis-Symptome. Das Besondere dieser neuen Substanzen ist das schnelle und noch bessere Ansprechen. Auch diese Substanzen weisen ein gutes Sicherheitsprofil auf und die bisherigen Erfahrungen zeigen nachhaltige Wirksamkeit.

Ebenfalls zu dieser Wirkstoff-Gruppe hinzuzuzählen ist Brodalumab, das gegen den Interleukin 17-Rezeptor gerichtet ist und damit ebenso die entzündliche Wirkung von Interleukin 17 unterbinden kann. Brodalumab befindet sich derzeit (Stand: August 2016) noch im Zulassungsverfahren; in klinischen Studien wurde damit ebenfalls ein gutes Ansprechen bei guter Verträglichkeit erzielt.

Mit der Gruppe der Biologika ist es nun erstmals gelungen, viele Patienten beschwerdefrei zu bekommen - und dies mit Nachhaltigkeit und hoher Sicherheit. Damit hat sich ein neues Zeitalter in der Behandlung der Psoriasis und ihrer Begleiterkrankungen eröffnet.

Wirkstoffgruppe „Small Molecules“: Apremilast
Auf einem etwas anderen Wirkprinzip basiert die Anwendung Apremilast, das in Tablettenform oral eingenommen werden kann. Apremilast wird der Gruppe der „Small Molecules“ („Kleine Moleküle“) zugeordnet, für die es bei vielen anderen Erkrankungen bereits gut Erfahrungen gibt. Apremilast wirkt innerhalb der Immunzellen durch Hemmung der Phosphodiesterase 4 (PDE4) und unterbindet damit die für Psoriasis charakteristische Entzündungsreaktion. Ein rasches und gutes Ansprechen selbst bei vorbehandelten Patienten ist damit möglich; die gute Sicherheit und Verträglichkeit für Apremilast wurde ebenso wie für die Biologika dokumentiert. Es handelt sich hier um das erste Medikament, welches durch eine direkte Modulation in den Zellen das Immunsystem positiv beeinflusst und somit als Tablette eingenommen werden kann und nicht injiziert bzw. als Infusion verabreicht werden muss.

Eine weitere Option stellt die Fumarsäure dar, die in Österreich allerdings nur als magistrale Zubereitung (d.h. Zubereitung in der Apotheke) erhältlich ist. Fumarsäure wird ebenfalls als Tablette oral eingenommen und muss wegen möglicher Magen-Darm-Beschwerden sehr langsam aufdosiert werden. Dafür gilt Fumarsäure über längere Zeiträume als gut verträglich. Es handelt sich hierbei um ein seit vielen Jahren eingesetztes Medikament, eine neue Zubereitung befindet sich derzeit in Entwicklung.

Eine weitere künftige Therapiemöglichkeit bei Psoriasis innerhalb der „Small Molecules“ bilden Substanzen, die gegen Januskinasen (JAK) in den Zellen gerichtet sind und damit gleich mehrere Entzündungs-Botenstoffe gleichzeitig unterbinden können. Einige dieser Substanzen sind z.B. bereits bei Rheumatoider Arthritis zugelassen und konnten in Studien bei Patienten mit Psoriasis bei einem hohen Prozentsatz Ansprechen erzielen.

Moderne Psoriasis-Therapien: Chance auf Symptomfreiheit und verbesserte Lebensqualität
Gemeinsam ist den heute verfügbaren modernen Substanzen zur Behandlung der Psoriasis bzw. Psoriasis-Arthritis, dass sie nach individueller Verordnung das optimale Therapieziel komplette Symptomfreiheit realistischer werden lassen. Damit einhergehend verbessert sich die Lebensqualität der Patienten: Wie Ergebnisse aus verschiedenen klinischen Studien zeigen, bewerten Patienten ihre subjektive Lebensqualität umso besser, je weniger Symptome sie aufweisen.

Die Auswahl der jeweiligen Substanz erfolgt durch die behandelnden Dermatologen nach Art und Ausmaß der Symptome, bestehender Krankheitsdauer oder  früher angewendeten Therapien. Einige der Medikamente sind gemäß ihrer Zulassung erst dann einzusetzen, wenn Patienten auf Vor-Therapien nicht genügend angesprochen haben oder diese nicht vertragen, andere können bereits als Ersttherapie eingesetzt werden. Die Art der Anwendung – oral bzw. als Injektion oder Infusion – wird ebenfalls detailliert mit den Patienten besprochen.

Autor:
OA Doz. Dr. Paul Sator, MSc.
Hautarzt, Wien
www.hautarzt.cc

(Foto: Anna Rauchenberger)


Quellen:

Grabmeier-Pfistershammer, K. . DFP-Artikel Psoriasis, CliniCum Derma 3/2015
Sator, P.:  Psoriasis - Neue Therapieansätze. In: Arzt+Patient, 1/2016

Sator, P.: Interleukin 17-Pathway: Neuer Superstar in der Behandlung der Psoriasis. In: Jatros Dermatologie  & Plastische Chirurgie 2/14, Seite 6-8
Sator, P.: Ixekizumab bei Psoriasis. In: Spektrum Dermatologie 2/2016

Volc, S. & Ghoreschi, K: Pathophysiologische Grundlagen der Systemtherapien bei Psoriasis. Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (JDDG), 2016; 6, S. 557-572

Freue mich auf unsere nächsten Treffen Eure Riki Schönauer

 

 

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